Mit Charme und Herz den Weg bereitet: Standesbeamtin Ruth Sonntag geht in den Ruhestand

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Über 1.000 Mal hat sie den Startschuss in ein neues Familienleben gegeben: Standesbeamtin Ruth Sonntag hat zahlreiche Paare getraut, Geburten beurkundet und sogar die erste eingetragene Lebenspartnerschaft in Langen geschlossen. Nach 41 Jahren im Dienste der Stadt geht die gebürtige Langenerin jetzt in den Ruhestand und nimmt zahlreiche schöne Erinnerungen mit.

Ruth Sonntag absolvierte ihre Ausbildung 1972 bei der Stadt Frankfurt und war dort in der Sozial- und Drogenberatung im Innen- und Außendienst tätig. Acht Jahre wechselte sie als Sachbearbeiterin ins Sozialamt der Sterzbachstadt. Noch während die Beamtin eine Auszeit für die Erziehung ihrer Kinder nahm, rief sie der damalige Leiter des Standesamts an und warb sie als Mitarbeiterin für seine Abteilung. Nach anfänglichem Zögern und nachdem Ruth Sonntag eine Fernsehsendung über eine Standesbeamtin gesehen hatte, dachte sie sich „Das kann ich auch!“ und ergriff die Gelegenheit.

„Ich wollte immer mit Menschen zu tun haben und nicht nur im Hinterzimmer mit Zahlen jonglieren“, resümiert die stadtbekannte Frau mit dem charmanten Lächeln. Im Standesamt sei nie ein Tag wie der andere, das mache den Alltag ganz spannend. Die lustigen, überraschenden und manchmal auch traurigen Geschichten hinter den Urkunden und Formularen haben Ruth Sonntag stets bewegt. Eine besondere Leidenschaft hat die Mutter dreier Kinder für die historischen Personenstandsdokumente. „Hinter den alten Geburts- und Sterbeurkunden, die zum Teil noch in Sütterlinschrift verfasst sind, stecken spannende und manchmal tragische Schicksale, wie das einer jungen Frau, die sich vor vielen Jahrzehnten wegen einer ungewünschten Schwangerschaft im Mühlteich ertränkt hatte.“ Durch die amtliche Beurkundung dieser Ereignisse seien auch die Geschichten dieser Bürgerinnen und Bürger Langens für die Nachwelt erhalten – das sei richtig und wichtig.

Besonders schöne Momente habe es im Laufe ihres Berufslebens viele gegeben, berichtet Ruth Sonntag. In besonderer Erinnerung geblieben ist ihr die Geschichte eines Pärchens, dass sich mit über 80 Jahren im Seniorenheim kennen und lieben gelernt hatte und sich von ihr im Rathaus trauen ließ. Viel Spaß hätten auch die Trauungen mit den in den 1980er Jahren im Neurott zahlreich vertretenen amerikanischen Soldatenfamilien gemacht. „Dabei ist es immer besonders laut, lustig und ausgelassen zugegangen“, erinnert sich die Ehestifterin.

Im Erdgeschoss-Büro von Ruth Sonntag im Rathaus hängen die Wände voll mit Danksagungskarten von Brautpaaren und frisch gebackenen Eltern. Die Karten, auf denen Fotos die Braut- und Babymode der vergangenen vier Jahrzehnte dokumentieren, nimmt sie mit nach Hause. „Vielleicht schaue ich die dann irgendwann zusammen mit meinem Enkelkind an“, sagt die Standesbeamtin, die ihre Traureden immer ganz individuell für die Brautpaare geschrieben hat. Nach dem letzten Arbeitstag gönnt sie sich erstmal einen Spanien-Urlaub. Und auch in den kommenden Lebensjahren ist keine Langeweile in Sicht. „Jetzt kümmere ich mich erst mal um mein Enkelchen, meine Kinder, meinen Mann, meinen Hund, Haus und Garten“, sagt Ruth Sonntag. „Außerdem möchte ich mal wieder töpfern, handarbeiten und noch tausend Sachen mehr machen!“

Quelle: Stadt Langen

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